Knietief im Dispo

Ob das mit der Sri-Lanka-Connection so eine gute Idee war? Prompt herrscht am Morgen ein Klima wie im ceylonesischen Hochland. Wir würden uns nicht wundern, heute durch Teeplantagen zu laufen. Schon nach wenigen Schritten sind wir in- und auswendig so nass, dass wir gleich die Regenjacken abwerfen. Kann ja heiter werden!

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Dabei lässt sich die heutige Route (offizieller Titel: „Auf dem Malerweg über die Schrammsteine … nach Schmilka“) erst mal ganz kommod an, zumal wir bereits um 11:30 an einem Outdoor-Mittagsbüffet stranden, das üppiger nicht sein könnte. Unter einem ausladenden Partyzelt hat eine Cateringfirma ihr Best-of angerichtet. Sogar Korkenzieher wachsen hier an den Bäumen.

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Doch dann wird’s ernst. Denn sächsischer ist die Schweiz nirgends! Unsere weitere Route führt durch wilde Schluchten, atemberaubende Ausblicke und traumhafte Felsriffe. Etwas Kraxelei ist auch dabei. Und nun rächt es sich, dass der Wein am Mittagsbüffet so lecker schmeckte. Meinen nervös flackernden Blick deutet Thomas erst als Höhenangst (dabei ist es eine Wasserphobie, doch die kommt später noch zum Zuge).

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Oben auf den Gipfeln wankend, staunen wir nicht schlecht! Sooo schön hätte ich es mir nicht ausgemalt. Doch während wir noch die  einzigartige Aussicht geniessen, dräut über uns bereits ein Jahrhundergewitter auf. Hektisch hangeln wir uns abwärts, denn dieser Berg hat keinen Blitzableiter.

 

img_6842.JPGDennoch schüttet es aus allen Kübeln. Da hilft es auch nicht, dass uns Local Guide Yvonne – schutzsuchend unter Buchen – erst mal das russische Märchen vom wachsenden Pilz erzählt (hier im Osten hat man einfach eine andere Sozialisation durchlaufen). Nach einer halben Stunde kübelt es immer noch. Da die ausgewiesenen Weicheier  Michael und Ingeborg vergeblich nach Bergwacht und Rettungshubschrauber rufen, latschen wir verzweifelt weiter. Schnell verwandeln sich die Pfade in reissende Wasserstrudel. Wir haben jegliche Orientierung verloren. Genau genommen könnten wir schon knietief in der Elbe stehen – und würden es nicht einmal merken.

 

Über uns zucken wie wild die Blitze. In meinen Gore-Tex-Wanderstiefeln knätscht und schnepft es gewaltig. Ein Glück noch, dass es heut früh im BoW-Testcenter nur noch Jacken in Herrengrössen gab. Jetzt passt nämlich auch noch mein Rucksack drunter.

 

Vollkommen aufgelöst und durchnässt bis auf die Knochen kommen wir Stunden später im StrandGut in Schmilka an, wo wir eigentlich ökologisch korrekten Kaffee und Kuchen einnehmen sollen. Stattdessen trocknen wir unsere klatschnassen Hosen am Fön der Damentoilette und wickeln uns aus biologisch abbaubaren Papierstreifen neue Fusslappen (die Socken sind inzwischen zu moosartigen Auswüchsen zusammengeschmurgelt). Herrgott, wenn das mal keine Lungenentzündung gibt!

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Nun hocke ich in meiner fünfsternigen Suite und trinke prophylaktisch die Minibar leer. Koste es, was es wolle!

PS Um Markus Trapps Lob vorzubeugen: der heutige Titel ist von Fehlfarben geklaut.

12 Antworten auf „Knietief im Dispo“

  1. Dann hoffe ich mal, in der Minibar befindet sich ein lecker Ceylon Eistee aus dem Hochland… Denn wie sagt der Fachmann? „Er steht golden in der Tasse“.

    Wohl bekomms, dein Männo.

  2. Liebe Ingeborg, es gibt ein (anderes) Märchen, in dem man die Beteiligten zuerst gut gefuttert hat um sie später zu verspeisen. Hat man es Euch auch erzählt? Wenn nicht, nichts mehr essen, sonst endest du vor dem (Wandern)Ende im Bauch eines Wolfes!

  3. gestern den Lauf im Regen zu zweit ausprobiert um mit der Gruppe mitzuhalten, war wunderschoen, beide total durchnaesst und gluecklich

  4. Und ich war die Gruppenteilnehmerin von Darling 🙂
    Vorbereitend auf unsere Situation erzählte sie mir am Anfang unseres Spazierganges von deinem Martyrium, um es kurz darauf selbst zu erleben. Ingeborg, du siehst wir haben nicht nur mitgefiebert, sondern sogar mitgefühlt 🙂
    Nach nass, kommt nässer 🙂
    Aber es ist ja nur Wasser und unsere Wanderung wurde somit zu einem außergewöhnlichen Erlebnis! 🙂

    Nach unserer Wasserwanderung kam noch Problem Nummer 2.
    Wie heimkommen, wenn der Westen überschwemmt ist und haufenweise Autos absaufen?
    Aber ich hatte gottseidank einen sicheren Chauffeur an meiner Seite…… 🙂

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